Island

Veröffentlicht auf von Sebastien Vogt

18.06.2020

Es ist zum Glück nicht August geworden! Nein, wir haben Mitte Juni und meine Reise kann weitergehen! Seit dem 15.06.2020 darf man nach Island einreisen ohne in Quarantäne gehen zu müssen. Es wird lediglich ein Test auf Corona bei der Ankunft gemacht und das Gute ist, dass er zunächst kostenfrei ist. Ab Juli muss man dann ca. 100 Euro für den Test berappen. Das gesparte Geld lässt sich bestimmt schnell in Island verpulvern, soll ja recht teuer dort sein. 

 

Der Tag fing ziemlich früh um 05:45 Uhr an; sehr ungewohnt für mich um solch eine Uhrzeit aufstehen zu müssen. Um kurz vor sieben saß ich dann auch schon im Regionalzug, stieg in Koblenz ohne weitere Probleme in den ICE und kam um zehn Uhr am Frankfurter Flughafen an. Sehr froh, die Deutsche Bahn ohne weitere Vorkommnisse, wie eine nette Verspätung, überstanden zu haben, durfte ich dann aber in den Genuss reinsten Chaos kommen. Laut Ticket sollte ich mich zu Terminal 2 begeben. Praktisch, dass es kostenlose Shuttlebusse gibt. Der Busfahrer wies mich jedoch darauf hin, dass Terminal 2 komplett geschlossen sei. Ah ja, gut zu wissen. Naja, dann konnte ich ja direkt im Terminal 1 bleiben. Auch gut. Da ich recht früh dran war, war ich auch der Erste beim Check-In. Nach anfänglichen Schwierigkeiten schafften es die Mitarbeiter die Computer zum Laufen zu bringen und ich erhielt meine Bordkarte. Jetzt hatte ich recht viel Zeit, konnte gemütlich durch die Passkontrolle und den Securitycheck. Der Sprengstofftest an meinem Rucksack fiel negativ aus und so konnte ich mir ein Tässchen Kaffee bei Mc Donalds gönnen. Nach dem Koffeinschub wollte ich mal zu meinem Gate (B1) schlendern folgte brav den Schildern. Hmm, komischerweise stand ich jetzt wieder bei einer Passkontrolle. Der freundliche junge Polizist fragte, ob ich aus der Türkei komme, aber ich verneinte und teilte ihm mit, dass ich nach Island fliege. Um wieder zurückzukommen, musste ich abermals durch die Sicherheitskontrolle und mein Gepäck wurde abermals auf Sprengstoff untersucht (liegt das etwa an meinem Bart???). Das Gate habe ich beim zweiten Anlauf brav gefunden. Ich wollte aber nicht die nächsten zwei Stunden hier rumsitzen, also beschloss ich, den Mc Donalds ein zweites Mal aufzusuchen. Tja, das war aber fast ein Ding der Unmöglichkeit und ohne die nette Sicherheitsfrau hätte ich ihn auch nicht gefunden. Aufgrund der ganzen Coronaumstände hat sich am Flughafen so einiges geändert: Man kommt nicht mehr so leicht überall hin, was für mich bedeutete, dass ich nochmal komplett raus musste um zum Restaurant zu kommen. Dies bedeute logischerweise auch, dass ich ein drittes Mal durch die Kontrollen gehen durfte (nein, dieses Mal ohne Sprengstofftest). Am Gate B1 angekommen wartete ich bis die nette Mitarbeiterin uns mitteilte, dass sich unser Gate geändert hätte und wir doch bitte zu Gate 19 gehen sollen. Hier standen wir jedoch vor einer verschlossenen Sicherheitstüre, die sie auch nach längerem telefonieren nicht öffnen konnte. Also bewegte sich die Masse wieder zurück zu B1 wo wir weiter warten durften. Die bestellten Busse, welche uns zu B19 (da hier immer noch das Flugzeug stand) bringen sollten, kamen mit Verspätung an und schließlich (nach langem hin- und her) konnten wir ins Flugzeug einsteigen. 

In Reykjavík angekommen wurden wir zunächst auf Corona getestet. Das verlief sehr organisiert und zügig (aber auch schmerzhaft! Das Stäbchen wird einem tief in die Nase geschoben..). 

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Jetzt noch schnell durch die Passkontrolle, das Gepäck abholen und wenig später saß ich auch schon in meinem VW Polo. Nach einer knappen Stunde kam ich schließlich im Hostel an und konnte feststellen, dass total wenig los war. Normalerweise wäre jetzt Hauptsaison, aber die sieht dank Corona dieses Jahr ganz anders aus. 

 

19.06.2020

Neben warmer Kleidung ist wohl eine Schlafmaske das wichtigste Utensil wenn man sich hier im Sommer aufhält. Es wird nämlich überhaupt nicht dunkel! Das ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, wenn es um Mitternacht noch hell ist. Geschlafen habe ich dennoch sehr gut und war dementsprechend bereit, den ersten Tag erwartungsvoll zu beginnen. Ich entschied mich, die bekannte Golden-Circle-Tour zu machen. Drei Highlights stehen auf dem Ziel. 

Die Pingvellir-Ebene war mein erster Stopp. Hier treffen die amerikanische und die eurasische Kontinentalplatte aufeinander (sonst verläuft der Grabenbruch unter dem Meer). Die Ebene ist mit faszinierenden Spalten, Seen und Flüssen gespickt. Meinen ersten isländischen Wasserfall (und es werden wohl noch viele folgen), den Öxarárfoss, bekam ich hier zu sehen. In seinem Becken wurden früher Frauen ertränkt, die des Kindermords, des Ehebruchs oder anderer Vergehen schuldig befunden worden waren. 

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Es ging weiter zum wohl berühmtesten Geysir Strokkur. Seine Ausbrüche erfolgen im regelmäßigen Abstand von 8-10 Minuten. Bis in eine Höhe von 25-35 Metern schießt die kochende Wassersäule empor; ziemlich beeindruckend!

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Hier gibt es noch einen weiteren Geysir, der sogar noch höher schießen kann. Er bricht allerdings nur noch sehr selten aus. Ansonsten kann man hier noch viele weitere kleine Becken mit kochenendem Wasser sehen.

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Letzter Stopp, und keineswegs weniger beeindruckend, war am tosenden Wasserfall Gullfoss. Er ist Islands berühmtester Wasserfall. Er stürzt hinter einer Wand aus Sprühnebel über 32 m in zwei Kaskaden in eine enge Schlucht.

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Sehr zufrieden fuhr ich zurück nach Reykjavík und als ich gerade mein Auto parken wollte, sah ich am Ende einer Straße die bekannte und gewaltige Hallgrímskirkja-Kirche. Die riesige Betonkirche dominiert die Skyline der Stadt.

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20.06.2020

Heute verließ ich Reykjavík und begann die große Inselumrundung. Im Ort Borgarnes machte ich einen kleinen Stopp und fuhr dann aber weiter zur Snaefellsnes Halbinsel. Hier sollten mich so einige fantastische Landschaften erwarten. Es ging los mit einem Wasserfall an welchem ich durch Zufall vorbei fuhr. 

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Dann machte ich noch einen spontanen Stopp an Raudfeldar-Schlucht. Hier wurde der Sage nach ein Troll hineingestoßen. 

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Ich fuhr weiter durch Lavalandschaften und lief an den tollen Klippen von Arnarstapi entlang. Hier kann man gleichzeitig unzählige Vögel betrachten die es sich in den Klippen gemütlich machen. 

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Auch im Snaefellsjökull Nationalpark kam ich in den Genuss weiterer Klippen. Außerdem konnte ich an dem schwarzen Lavastrand entlang schlendern. 

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Die heutige Fahrt endete in Grundarfjördur. Dieser Ort liegt traumhaft schön in einer Bucht und wird von dem Berg Kirkjufell dominiert (eins der beliebtesten Fotomotive Islands). Naja, zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass die Stadt auch im Schatten von Wasserfällen und eisbedeckten Gipfeln liegt. 

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21.06.2020

Eine lange aber sehr spektakuläre Autofahrt stand heute auf dem Programm. Es ging heute zu den Westfjorden, welche von den meisten Touristen ausgelassen werden. Ich kam heute ehrlich gesagt gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Die Landschaft hat mich einfach umgehauen. Kurvenreich wanden sich die unbefestigten Straßen die Fjorde entlang und die Passstraßen waren mit Schlaglöchern übersät. Immer wieder musste ich anhalten um die Szenerie zu bestaunen und zu fotografieren.

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Auf den Pässen konnte ich gut beobachten, wie das Schmelzwasser in Bächen sich den Weg nach unten bahnte. Tja, das Wasser sollte dann später gesammelt einen wunderschönen Wasserfall herunterfließen. Der Dynjandi Wasserfall hat eine 100 m hohe und recht breite Gesteinskante am Ende der Bucht von Dynjandivogur. 

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Nach diesem gewaltigen Anblick ging die Fahrt nochmals eine Stunde weiter bis ich schließlich am Önundarfjördur-Fjord im Korpudalur-Tal ankam. Und auch hier war ich wieder sprachlos. Mein Hostel steht an einem so wunderschönen Flecken Erde, hier könnte ich mir das Altwerden gut vorstellen. Ich erkundete etwas die nähere Umgebung zu Fuß, da der Herbergsvater noch nicht da war. Heute kam ich den bekannten Islandponys zum ersten Mal richtig nah. Für ein kleines Fotoshooting kamen sie sogar nahe zu mir hin. 

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Als ich wieder am Hostel ankam wartete schon der super freundliche Herbergsvater auf mich. Er erwähnte, dass ich der allererste Gast in diesem Jahr sei! Haha ok, ich hatte also das ganze Hostel für mich alleine! Normalerweise beginnt die Saison hier Mitte Mai, aber leider spürt man die Auswirkungen der Coronapandemie auch hier. 

 

22.06.2020

Das Wetter sah heute nicht wirklich viel versprechend aus: Bewölkter Himmel und ein paar Regentropfen kamen auch schon runter. Nach drei Tagen tollen Wetters war es aber völlig in Ordnung, heute mal einen Regentag zu haben. Der Tag bestand heute hautsächlich nur aus Autofahren ohne besondere Stopps auf dem Weg. Die Straßen waren heute zum Großteil gepflastert, was die Fahrt recht angenehm machte. 

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Im heutigen Hostel kam ich recht früh an und in der eMail hieß es, dass ich erst ab 16 Uhr einchecken könne. Ich hatte keine Lust so lange im Auto zu warten und habe dann die heiße Quelle direkt um die Ecke ausgenutzt. So saß ich bei Regen im heißen Wasser und konnte meinen Blick über die Landschaft schweifen lassen. 

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Als ich ins Hostel kam, war keine Menschenseele weit und breit zu sehen; Ich war schon wieder der einzige Gast und hatte das ganze Haus für mich alleine. Es hat sich auch kein Eigentümer blicken lassen! Ich bekam lediglich eine eMail wo mir die Zahlungsabwicklung erklärt wurde. Bevor ich ins Bett ging, hüpfte ich nochmal schnell in die heiße Quelle, um auch schön entspannt danach schlafen zu können.

 

 

23.06.2020

Was macht man früh morgens um kurz nach sieben Uhr? Genau, wieder zur heißen Quelle flitzen und erstmal nackig (bin ja eh alleine) ne Runde baden. 

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23.06.2020

Was macht man früh morgens um kurz nach sieben Uhr? Genau, wieder zur heißen Quelle flitzen und erstmal nackig (bin ja eh alleine) ne Runde baden. Das Wetter meinte es auch schon wieder gut mit mir und nachdem ich meine sieben Sachen gepackt hatte, ging die Fahrt wieder weiter. Es dauerte nicht lange und ich stand wieder mal vor einem Wasserfall. Dieser ergoss sich in eine schöne Schlucht, die das Wasser mühsam gegraben hatte (Kolugljúfur Canyon). 

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Um Punkt elf Uhr gab es wieder mein übliches Frühstück. Toastbrot mit Nutella und eine Banane. Auch heute hatte ich während des Essens eine tolle Aussicht. 

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Nach einer kurzen Weiterfahrt hielt ich kurz bei einer Torfkirche an. Ich wollte sie mir eigentlich auch von innen ansehen, aber sieben Euro erschien mir dann doch zu viel. 

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Es ging weiter zu einem kleinen Dorf welches in einem schönen Tal gelegen ist. Hier befindet sich die älteste Steinkirche Islands befindet. Auch hier betrat ich nicht die Kirche, aber hier lag es daran, dass sie abgeschlossen war.

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In Hofsós machte ich eine kleine Fotosession mit interessanten Felsformationen. Die Aussicht konnte sich aber auch sehen lassen. 

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Nun verlief der Großteil der Straße am Fjord entlang. In Siglufjördur atmete ich die frische Luft ein und genoss (mal wieder) die beeindruckende Aussicht. 

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In der zweitgrößten Stadt Islands, Akureyri (ca. 19000 Einwohner), war meine heutige Etappe zu Ende. Überraschenderweise war ich mal zur Abwechslung nicht der Einzige Gast! Wobei ich die anderen Leute nur mal kurz gehört aber nicht gesehen habe. Also auch hier kaum was los...

 

24.06.2020

Das Motto des Tages lautete definitiv „Kraft der Natur“ und den Anfang machte Godafoss (Wasserfall der Götter). Der Wasserfall spielte eine wichtige Rolle in der isländischen Geschichte. Ein Gesetzessprecher war im Jahre 1000 gezwungen, eine Entscheidung über die Religion der Inselbewohner zu fällen. Nach langem Überlegen erklärte er Island zu einer christlichen Nation. Auf dem Heimweg warf er seine heidnischen, altnordischen Götterbilder ins Wasser. So erhielt der Wasserfall seinen Namen. 

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Kaum saß ich im Auto fing es zunächst leicht und dann immer mehr an zu regnen. Oh nein, ich befürchtete schon, dass ich den Rest des Tages im Regen verbringen sollte. Aber es kam zum Glück anders: Beim nächsten Ziel angekommen gab es zunächst mein Frühstück und siehe da: Die Wolken blieben zwar, aber der Regen war vorbei. Bei Skútustadir sah ich mir die Pseudokrater an. Man könnte meinen, dass es sich hier um kleine Vulkane handelt, aber diese Krater entstanden, als Lava über die Gegend strömte und aufgrund des hohen Wassergehalts des sumpfigen Bodens Explosionen ausgelöst wurden. 

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Es war recht idyllisch hier entlang zu spazieren. Aber kurz bevor ich die Runde beendete, hörte ich Vogelgezwitscher, welches sich verdammt nah anhörte. Ich wagte einen Blick nach oben und ich konnte es nicht glauben: da flogen mehrere Schwalben (nehme ich mal an, bin ja kein Ornithologe) über mir her und fingen dann auch noch an mich zu attackieren! Zum Glück hatte ich eine Jacke mit Kapuze dabei, die meinen Kopf vor den Angriffen schützte. 

Nachdem ich mich von diesem fiesen Attentat erholt hatte, fuhr ich ein kleines Stück weiter um auf Trolljagd zu gehen. Man sagt, dass hier in Dimmuborgir viele Trolle zu Stein verwandelt wurden als sie von der Sonne überrascht wurden. In Wahrheit handelt es sich lediglich um bizarre Lavaformationen.

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Als nächstes sah ich mir kurz eine kleine Lavahöhle an in welcher sich durch vulkanische Aktivität erhitztes Wasser befindet. Früher konnte man hier noch baden, aber angeblich ist die Wassertemperatur gestiegen, sodass es jetzt zu heiß zum Baden ist. Also als ich meine Hand ins Wasser gehalten habe erschien mir das jetzt nicht zu heiß. Da war das Wasser in der heißen Quelle meines Hostels gefühlt heißer. 

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Jetzt wurde es stinkig. In Hverir sah ich mir das Geothermalgebiet an, welches für sprudelnde Schlammbecken und dampfende Fumarolen, aus denen Schwefelgas austritt, bekannt ist. Also für empfindliche Nasen ist das hier wirklich nichts! 

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So, nach so viel Programm war jetzt definitiv Entspannung angesagt. Praktischerweise befindet sich hier auch das Myvatn Naturbad. Bei einem Glas Weißwein, angenehmer Wassertemperatur und einer herrlichen Aussicht wurde ich schnell in einen Zustand der absoluten Entspannung überführt. Einfach herrlich!

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Glücklich und zufrieden fuhr ich die letzten Kilometer meiner heutigen Route zum Hostel. Unterwegs machte ich eine kleine Vollbremsung, da mir ein tolles Motiv geboten wurde: Ein halber Regenbogen und drei kleine Ponys.

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25.06.2020

Der Mensch ist ein Gewöhnungstier.. Ja das merkte ich hier auch. Wie schon in den letzten Tagen stand als erstes wieder mal ein Wasserfall auf dem Programm. Ich musste erst mal eine echt ätzende Schotterpiste hinter mich bringen und dachte mir die ganze Zeit: „Wenn ich hier mit dem Auto nen Platten bekomme, wird es echt übel“ (ich traf nämlich lediglich ein anderes Auto...). Aber es ging alles gut. An einer Abzweigung entschied ich spontan einem Schild zu einem anderen Wasserfall zu folgen; dies sollte sich als weise Entscheidung herausstellen. Das hätte ich nicht erwartet: Plötzlich stand ich an einer beeindruckenden Schlucht mit Blick auf den Hafragilsfoss. Ich war echt platt und mir hat es wieder mal die Sprache verschlagen. Diese Weite genießen zu können und das auch noch ganz alleine war wirklich unfassbar schön. 

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Jetzt fuhr ich aber weiter zu meinem ursprünglichen Ziel, dem Dettifoss. Betrachtet man sich die Höhe und Breite des Dettifoss, so hört es sich nicht wirklich spektakulär an: 44 m hoch und 100 m breit. Das Besondere ist aber die Wassermasse, welche sich pro Sekunde (193 Kubikmeter) hier herunterstürzt. Man kann den Wasserfall, so wie ich, über die schwierige Schotterpiste auf der Ostseite erreichen, oder aber wie die paar anderen Touris auf der asphaltierten Straße auf der Westseite. Meine Seite war definitiv die bessere, denn ich war so nah an der Urgewalt dran wie es nur irgendwie möglich war. Die Krönung war schließlich noch der Regenbogen, welcher sich über die aufgewühlten, milchig weißen Wassermassen reckte. 

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Leider musste ich meine verhasste Straße die 60 km wieder zurückfahren um zum Fischerdorf Húsavík zu kommen. Hier habe ich eine Walbeobachtungstour gebucht. Hier stehen die Chancen auf eine Walsichtung bei fast 100%. Hier war es das erste Mal seit langer Zeit, dass ich viele Touris auf einem Haufen oder besser gesagt auf einem Schiff sah. Abstandhalten wurde hier sehr, sehr klein geschrieben. Es dauerte gar nicht mal so lange und wir sahen tatsächlich unseren ersten Wal. Ein Buckelwal zeigte sich uns und präsentierte vor dem Abtauchen seine Fluke. 

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Wir bekamen auch noch einen Zwergwal zu sehen, dieser war aber etwas weiter entfernt, sodass ich leider kein Foto machen konnte. Aber auf die Weißschnauzendelfine war verlass! Eine Gruppe ließ sich längere Zeit bei uns blicken und wir kamen sogar in den Genuss einer kleinen Sprungeinlage. Einfach toll!

 

26.06.2020

Heute gab es ausnahmsweise mal nicht mehrere, sondern nur ein Highlight. Ich fuhr zum Studlagil Canyon, von dem mir Sergio Bilder gezeigt hatte. Bis vor wenigen Jahren war dieser Canyon noch komplett geflutet, sodass sich die charakteristischen Basaltsäulen unterhalb der Wasseroberfläche befanden. Doch ein großes Staudammprojekt kappte nahezu alle Zuflüsse. Der einst wilde, bräunliche Gletscherfluss verwandelte sich in einen klaren und gemächlichen Fluss. Es war nicht ganz einfach, den Hang hinunterzugehen, aber die angebrachten Seile waren eine gute Hilfe. 

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Nun ging es mal ausnahmsweise recht früh zur Unterkunft. Eine Schotterpiste führte mich scheinbar ins Nichts, bis ich irgendwann am rustikalen Hof ankam. Tja, wer hätte es gedacht: Ich war schon wieder der einzige Gast im ganzen Haus!

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27.06.2020

Ich verließ mein drittes privates Anwesen und fuhr durch den Regen bis nach Bukkagerdi. Zum Glück hörte der Regen rechtzeitig auf, sodass ich mir die hier angesiedelte Papageientaucherkolonie ansehen konnte. Wow, von einer Besucherplattform kam ich den trollinger Tieren verdammt nah! Die Vögel nisten hier von Mitte April bis Mitte August. Den Rest des Jahres verbringen sie auf dem offenen Meer. 

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Nun ging es wieder ein Stück des Weges zurück und weiter zum Hengifoss. Dieser Wasserfall gehört zu den höchsten Wasserfällen Islands. Mit dem Auto kommt man aber nicht zu ihm, sondern man muss schön bergauf 2,5 km erklimmen um ihn in seiner vollen Pracht sehen zu können. Unterwegs passiert man auch noch einen kleineren, aber nicht weniger beeindruckenden Fall. Diese 5 km Wanderung tat mal wieder richtig gut, denn ich verbringe ja schon auch viel Zeit nur im Auto. 

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28.06.2020

Heute musste ich alles langsam angehen lassen. Die Tagesstrecke war nicht besonders lang und es standen auch nicht wirklich viele interessante Orte auf dem Programm. Da ich beim nächsten Hostel erst ab 17 Uhr einchecken konnte, musste ich also alles etwas entschleunigen. Wo ich normalerweise mit 90 km/h durch die Landschaft düste, tuckerte ich mit gemütlichen 60 km/h umher. Ein Hindernis für andere stellte ich nicht dar, es ist zurzeit ja kaum was los auf den Straßen. 

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Während ich anfangs noch durch die Ostfjorde fuhr, ändere sich die Szenerie zum Schluss ganz und gar. Jetzt wurde die Region durch den größten Gletscher Europas, dem Vatnajökull, dominiert. Seine Fläche entspricht etwa 8 % der Fläche Islands. Teilweise konnte ich vier verschiedene Gletscherableger gleichzeitig sehen.

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29.06.2020

Nach einer sehr kurzen Fahrt kam ich um zehn Uhr morgens an der Gletscherlagune Jökulsárlón an. Hier hatte ich mir eine Tour mit einem Zodiac (Schlauchboot) gebucht um die herumtreibenden Eisberge zu bestaunen. Normalerweise finden hier bis zu zwölf Personen Platz. Haha, aber in Coronazeiten sieht es (zum Glück für mich) ganz anders aus: Ich war ganz alleine auf dem Boot! Normalerweise kann man das auch so buchen (das nennt sich dann die Photographentour) und bezahlt dann schlappe 600€ für das Boot. Ich bekam den gleichen Luxus für 60€. 

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Praktischerweise war die Mitarbeiterin Österreicherin und so konnte sie mir alles Wichtige auf deutsch erklären. Im Gegensatz zu den Eisbergen die ich in der Antarktis gesehen habe, sind hier die Eisskulpturen teilweise von Aschestreifen durchzogen, Zeugnisse früherer Vulkanausbrüche. 

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Die Eisblöcke krachen vom Gletscher ins Wasser und treiben hinaus auf den Atlantik. Sie können bis zu fünf Jahre lang in der 25 qm großen und 260 m tiefen Lagune vor sich hin dümpeln, schmelzen, wieder gefrieren und gelegentlich auch umkippen. Manche Scholle wird auch gerne von den hier lebenden Robben zum Entspannen genutzt. 

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Nach diesem tollen Auftakt mit unglaublichen Eindrücken hätte der Tag auch schon enden können. Aber es sollten noch weitere schöne Ausblicke auf mich warten. Die Fahrt ging nun nach Skaftafell, den beliebtesten Nationalpark Islands. Hier kann man über verschiedenste Wanderwege der Natur näher kommen. Ich machte eine kleine 5 km Runde. Mein Ziel, wie soll es auch anders sein, ein Wasserfall. Der Svartifoss („Schwarzer Wasserfall“) verdankt seinen Namen nicht etwa der Farbe des Wassers, sondern der schwarzen Basaltsäulen, von denen er sich runterstürzt. 

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Letzter Tagespunkt war die malerische Schlucht Fjardrárglijúfur, die der Fluss Fjardrá grub. Sie ist 2 Millionen Jahre alt und wirklich ein wunderschöner Anblick.

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30.06.2020

Früh am Morgen machte ich mich auf den Weg und nach einer nur kurzen Fahrt kam ich an den Felsnadeln Reynisdrangur an, die am westlichen Ende des schwarzen Sandstrands aus dem Meer ragen. Im Volksglauben heißt es, sie seien unglückselige Trolle, die von der Sonne ertappt wurden. 

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Als nächstes fuhr ich zu einem Gletscher, den man aus unmittelbarer Nähe betrachten kann. Hier kann man deutlich die Asche sehen, welche von Vulkanen ausgespuckt worden ist. 

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Komisch, sonst schaute ich mir doch immer als erstes einen Wasserfall an. Heute blieb ich dieser Tradition nicht treu und kam erst mittags am Skógafoss an. Der 62 m hohe Wasserfall rauscht über die zerklüfteten Felsen hinweg. Der Legende nach soll ein Siedler eine Kiste voll Gold hinter dem Skógafoss versteckt haben. Hab sie aber leider nicht gefunden..

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Ich kletterte noch die steilen Stufen hoch und wanderte ein wenig am Fluss und der Schlucht entlang.

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Es war nun soweit: Ich besichtigte meinen letzten Wasserfall in Island. Der Seljalandsfoss stürzt über einen Felshang in einen tiefen, grünen Teich. Hier kann man sogar hinter den Wasserfall gehen!

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Meine Fahrt endete in Reykjavik. Für die letzten zwei Nächte gönnte ich mir ein schickes Apartment. 

 

01.07.2020

Mein letzter Tag in diesem wunderschönen Land. Nachdem ich ja jeden Tag auf Achse war und mir viele faszinierende Landschaften und Sehenswürdigkeiten angesehen habe, war es Zeit, einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Deshalb unternahm ich zunächst gar nichts. Am Nachmittag fuhr ich zur berühmten Blauen Lagune. Hier war zum Glück nicht viel los und das Entspannen fiel mir sehr leicht. Ich gönnte mir zwei Gläschen Weißwein, bekam eine Gesichtsmaske und ich probierte 30 Minuten Floating aus. Ach, es war einfach herrlich!

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Tiefenentspannt ging es zurück in die Hauptstadt wo ich meine letzte Nacht in Island verbrachte. Am nächsten Morgen musste ich schon um vier Uhr aufstehen da mein Flieger um 07:25 Uhr zurück nach Frankfurt flog. 

 

Ich muss sagen, dieses Land hat mich total verzaubert. Ich habe hier so viele Eindrücke gesammelt und es wurde nie langweilig durch die Gegend zu fahren. Auch wenn ich im März meine Weltreise abbrechen musste, weiß ich, dass es absolut die richtige Entscheidung war. Und jetzt Island als krönenden Abschluss gemacht zu haben, ist Entschädigung genug. Jetzt habe ich noch sechs Wochen Sommerferien vor mir bevor es dann wieder in den Schulalltag zurückgeht. 

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